Aktuelles Wissen: Gedächtnisstörung und Demenz

Dr. Richard Ippisch

Sie sind zu Fuß unterwegs und sehen schon von weitem jemanden auf Sie zukommen, der Sie erwartungsvoll anlächelt. Sie wissen, Sie kennen diese Person, aber der Name...wie war doch gleich der Name ?

Sie erleben solche Situationen in letzter Zeit häufiger.  Da Sie nicht mehr ganz jung sind fangen Sie an, sich Sorgen zu machen und sich selbst zu beobachten. Tatsächlich verlegen Sie doch immer wieder und häufiger als früher Ihre Brille oder Ihren Schlüssel. Ja, selbst an den spannenden Fernsehfilm, den Sie vor 2 Jahren schon gesehen haben können Sie sich nur noch bruchstückhaft erinnern.
Ihr Hausarzt nimmt Ihre Bedenken ernst und überweist Sie zum Neurologen.

Dieser macht zu Ihrer Beruhigung ein oder zwei Tests mit ganz normalem Ergebnis.

Tatsächlich sind alle gerade geschilderten "Gedächtnisstörungen" in jedem Alter völlig normal. Unser Gehirn vergisst ständig und vor allem diejenigen Inhalte, die länger nicht mehr abgerufen bzw. aufgefrischt wurden.

Wenn Sie einen Computer haben, wissen Sie, wie rasch sich eigentlich nicht mehr benötigte Daten ansammeln und die Festplatte Ihres Rechners "vollmüllen". Unser Gehirn ist dagegen sehr effektiv im Ordnunghalten aufgenommener Informationen: Überflüssiges wird umgehend gelöscht, nicht mehr Benötigtes nach kurzer Zeit aussortiert. Dauerhaft merken wir uns nur Dinge, die wir kurzfristig wiederholen bzw. immer wieder brauchen, über die wir intensiv nachdenken oder die für uns große emotionale Bedeutung haben.
Wenn wir Gegenstände ablegen und dabei mit den Gedanken woanders sind, wird der Ort der Ablage erst gar nicht gespeichert, so dass wir uns schon kurz danach nicht mehr daran erinnern können.

Auch mit 20 erinnert man sich nicht an Namen oder verlegt Dinge, man vergisst aber auch das gleich wieder. Ist man dagegen älter, macht man sich Sorgen, was wiederum dazu führt, dass man sich diese alltäglichen Episoden alle merkt.

Gedächtnisstörung + Alter > 50 = Demenz ?

Wann aber wird eine Gedächtnisstörung krankhaft, so dass man tatsächlich an eine beginnende Demenz z.B. vom Alzheimer-Typ denken muss ?

Eine Demenz liegt erst dann vor, wenn Gedächtnisstörungen in einer Schwere und Häufigkeit auftreten, die den Betroffenen in seiner sozialen Umgebung und seiner Alltagsbewältigung erkennbar beeinträchtigen. Wenn jemand zum Beispiel in einer ihm/ihr eigentlich vertrauten Umgebung Wege nicht mehr weiß, immer wieder und mehrfach hintereinander das Gleiche fragt, neuerdings Probleme im Umgang mit ihm schon lange bekannten, technischen Geräten oder Abläufen hat, dann allerdings sollte eine gezielte neurologische Testuntersuchung erfolgen.

Auch in diesen Fällen handelt es sich jedoch nicht immer um eine beginnende Alzheimer-Erkrankung. So manche Störung kann auch eine ganz andere Ursache haben, z.B. eine Schilddrüsenfunktionsstörung, einen Vitaminmangel, eine unterschwellige Depression oder auch eine schleichende Hirninfektion, die alle gut behandelbar sind, aber oft nur vom Facharzt erkannt werden.

Wenn Sie also das Gefühl haben, dass Ihre Probleme über das oben beschriebene, alltägliche Vergessen hinaus gehen, lassen Sie sich von einem Neurologen untersuchen und individuell beraten.

 

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