Aktuelles Wissen: Kopfschmerz

Dr. Richard Ippisch

Kopfschmerz gehört zu den häufigsten Beschwerden der Menschheit. Bei Umfragen geben bis zu 90% aller Befragten an, im letzten Jahr mindestens einmal unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. Die meisten Betroffenen suchen keinen Arzt auf und behandeln sich selbst: Mehr als 13 Tausend Tonnen Aspirin werden jährlich weltweit verbraucht, der überwiegende Teil davon zur Behandlung von Kopfschmerzen.

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet in ihrer 2013 zuletzt aktualisierten Klassifikation mehr als 100 verschiedene Kopfschmerzarten, die sich anhand ihrer typischen Merkmale voneinander unterscheiden lassen.
Grundsätzlich sollten v.a. neu aufgetretene und häufige Kopfschmerzen klar diagnostisch zugeordnet werden, denn eine bloße Behandlung mit Schmerzmitteln ist hier nur selten optimal.

Der Neurologe ist der für Kopfschmerzen zuständige Facharzt

Der für Kopfschmerzen zuständige Facharzt ist der Neurologe und nur mit neurologischen Untersuchungstechniken lassen sich mögliche Erkrankungen im Bereich des Schädelinneren ausschließen oder nachweisen. Bei den beiden häufigsten Kopfschmerzarten, der Migräne und dem Spannungskopfschmerz, finden sich keine krankhaften bzw. therapeutisch "heilbaren" Störungen. Es gibt trotzdem eine ganze Reihe unterschiedlicher Behandlungsmöglichkeiten, die fast immer eine ausreichende Kontrolle der Schmerzen erreichen lassen.

Das Spektrum geht dabei über eine bloße Schmerzmitteleinnahme weit hinaus und die Erfahrung zeigt, dass häufig nur der Facharzt hier den Überblick über neuere Entwicklungen behalten kann.

Schmerzmittel können selbst Kopfschmerzen verursachen

Wenig bekannt ist beispielsweise, dass die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln häufig selbst Kopfschmerzen verursacht. Nach einer Weile ist dann die Unterscheidung zwischen dem ursprünglichen und dem durch das Schmerzmittel ausgelösten Kopfschmerz nicht mehr möglich. Alle Schmerzmittel, v.a. aber Kombinationspräparate, können zu dieser Problematik führen. Wer Schmerzmittel gegen Kopfschmerz an mehr als 10 Tagen pro Monat oder immer wieder an mehr als 3 Tagen hintereinander einnimmt, ist hier bereits stark gefährdet. Sie/er sollte sich unbedingt an einen Neurologen wenden, der andere Behandlungsmöglichkeiten empfehlen kann.

Aber auch geringere Mengen von Schmerzmitteln über Monate und Jahre hinweg regelmäßig eingenommen sind gefährlich. Sämtliche schmerzlösenden Substanzen können die Nierenzellen schädigen, so dass ein Großteil der Patienten an der künstlichen Niere (Dialyse) die Funktion dieser Organe durch die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln verloren hat. Ein häufigeres Auftreten von Magen- / Darmgeschwüren und Harnwegstumoren ist außerdem eine bekannte Folge.

Migräne: Niemand muss heute mehr leiden !

Niemand muss heute mehr unter einer Migräne leiden. Die Vielzahl der Behandlungsmöglichkeiten erschöpft sich dabei keinesfalls nur in der Einnahme von Schmerzmitteln. Der Neurologe wird zunächst klären, ob es sich tatsächlich um eine Migräne handelt. Falls ein Familienmitglied unter gleichartigen Kopfschmerzen leidet und seit Jahren immer wieder ein einseitig betonter, hämmernder Kopfschmerz auftritt, der sich bei Anstrengung und beim Bücken verstärkt und von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet wird, ist die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Migräne groß.

Es gibt aber auch weniger typische Verlaufsformen, die durch eine genaue Symptomanalyse zugeordnet werden können. Beispielsweise muss ein immer wieder auftretender Nacken-Hinterkopfschmerz nicht unbedingt von der Halswirbelsäule ausgehen, sondern kann auch eine Migräne sein.

Einfache Regeln der Lebensführung können schon zu einer deutlichen Besserung der Migräne führen !

Nur wenige Patienten wissen, dass schon das Einhalten ganz einfacher Regeln der Lebensführung bereits zu einer deutlichen Besserung der Migräne führen kann:

  • Regelmäßiger Tagesablauf.
    Konkret: Die Zeiten für das zu Bett gehen und auch das Aufstehen sollten an den verschiedenen Wochentagen jeweils nicht um mehr als 1 Stunde variieren (auch am Wochenende !). Auch auf regelmäßige Zeiten der Nahrungsaufnahme sollte geachtet werden.
  • Regelmäßige Entspannungspausen während der Arbeit.
    Viele Migränepatienten zeichnen sich durch hohes Pflichtbewusstsein und einen Hang zum Perfektionismus aus. Dies führt einerseits zu einem "Nicht-Nein-Sagen-Können" und andererseits zu dem Gefühl, sich Pausen zeitlich "nicht leisten" zu können. Zwangsläufig kommt es zu einer zunehmenden Anspannung im Arbeitsalltag, die sich dann oft während längerer Entspannungsphasen (Wochenende, Urlaubsanfang) als Migräneattacke entlädt. Obwohl für den Arbeitgeber geradezu ideal, sollten sich die Betroffenen im eigenen Interesse Gedanken über eine Änderung ihres Verhaltens am Arbeitsplatz machen.
    Konkret: Immer wieder 5 Minuten Pause mit bewusster Entspannung, ggf. nach Erlernen einer Technik (z.B. progressive Relaxation nach Jacobson)
  • Regelmäßige körperliche Aktivität trägt nachweislich zur Reduktion von Migräneattacken bei.
    Konkret: Zwei bis dreimal wöchentlich für mindestens 30 Minuten betriebene Ausdauersportart (Joggen, Radfahren, Schwimmen etc.)
  • Vermeiden von typischen Auslösern: z.B. Rotwein, Schokolade, bestimmte Käsesorten (den Betroffenen meist bekannt).

Vielleicht können Sie die Frage nach dem "Warum immer am Wochenende...?" anhand des folgenden, typischen Ablaufs jetzt beantworten:
Freitag: abends nach dem Wochenstress in die Kneipe, nach 2 Gläsern Rotwein um 1:00h ins Bett...
Samstag: endlich mal ausschlafen bis 11:00h, auf das Frühstück wird verzichtet, vor dem Mittagessen vielleicht noch ein Stückchen Schokolade ?...
Sonntag: morgens Aufwachen mit Kopfschmerzen, warum nur schon wieder ?

Migräne-Attacken früh und am besten mit Schmerzmittel-Zäpfchen behandeln !

Vielen Patienten hilft auch schon das Wissen, dass selten auftretende (max. 1-3x im Monat) Migräneattacke möglichst frühzeitig mit einer bereits ausreichenden Schmerzmittel-Dosis und nicht erst bei unerträglich gewordenem Schmerz immer wieder mit kleineren Dosen (die meist kaum helfen)  behandelt werden sollte. Auch ist ein Umstieg von Schmerztabletten auf -zäpfchen (z.B. Paracetamol 1000mg Zäpfchen) ratsam, da eine migränebedingte Funktionsstörung des oberen Magen-Darm-Trakts außer zu Übelkeit oft auch zu einer unzuverlässigen Aufnahme von Tabletten in die Blutbahn führt.

Für häufiger auftretende Attacken gibt es außerdem auch Medikamente die einer Migräne bereits vorbeugen können. Diese müssen zwar dann täglich eingenommen werden, was jedoch weitaus weniger schädlich ist als eine über Monate (und ggf. Jahre !) hinweg mehr als 3-4 mal im Monat erfolgende Schmerzmitteleinnahme.

Eigene Kopfschmerz-Sprechstunde in unserer Praxis

In unserer Praxis stellt die Behandlung von Kopfschmerz und Schwindel einen Schwerpunkt dar. Wir arbeiten dabei im Rahmen einer sogenannten integrierten Versorgung sowohl mit der Kopfschmerzambulanz des Klinikums Großhadern in München als auch mit der Kopfschmerzklinik in Kiel zusammen.

Die Schmerzklinik Kiel (Prof. Dr. Hartmut Göbel) gehört zu den bundesweit führenden Häusern in der Kopfschmerz-Therapie.
Unsere Praxis nimmt als ambulantes Kopfschmerz-Zentrum an diesem integrierten Versorgungskonzept teil.

Sollten Sie nicht zu uns kommen können, raten wir Ihnen, einen Neurologen in Ihrer Nähe aufzusuchen, der Sie bezüglich der Behandlung Ihrer Kofschmerzen weiter beraten wird.

 

 

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