{"id":337,"date":"2015-01-05T12:52:55","date_gmt":"2015-01-05T12:52:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/?p=337"},"modified":"2021-11-28T09:18:32","modified_gmt":"2021-11-28T09:18:32","slug":"aktuelles-wissen-kopfschmerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/2015\/01\/05\/aktuelles-wissen-kopfschmerz\/","title":{"rendered":"Aktuelles Wissen: Kopfschmerz"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Richard Ippisch (aktualisiert am 22.11.2021)<\/p>\n<div style=\"text-align: left;\">\n<p>Kopfschmerz geh\u00f6rt zu den h\u00e4ufigsten Beschwerden der Menschheit. Bei Umfragen geben bis zu 90% aller Befragten an, im letzten Jahr mindestens einmal unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. Die meisten Betroffenen suchen keinen Arzt auf und behandeln sich selbst: Mehr als 13 Tausend Tonnen Aspirin werden j\u00e4hrlich weltweit verbraucht, der \u00fcberwiegende Teil davon zur Behandlung von Kopfschmerzen.<\/p>\n<p><strong>Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz<\/strong><\/p>\n<p>Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet in ihrer 2018 zuletzt aktualisierten Klassifikation (<a href=\"https:\/\/ichd-3.org\/de\/\">ICHD-3<\/a>) mehr als 100 verschiedene Kopfschmerzarten, die sich anhand ihrer typischen Merkmale voneinander unterscheiden lassen.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich sollten v.a. neu aufgetretene und h\u00e4ufige Kopfschmerzen klar diagnostisch zugeordnet werden, denn eine blo\u00dfe Behandlung mit Schmerzmitteln ist hier nur selten optimal.<\/p>\n<p><!--more--><strong>Der Neurologe ist der f\u00fcr Kopfschmerzen zust\u00e4ndige Facharzt<\/strong><\/p>\n<p>Der f\u00fcr Kopfschmerzen zust\u00e4ndige Facharzt ist der Neurologe und nur mit neurologischen Untersuchungstechniken lassen sich m\u00f6gliche Erkrankungen im Bereich des Sch\u00e4delinneren ausschlie\u00dfen oder nachweisen. Bei den beiden h\u00e4ufigsten Kopfschmerzarten, der <strong>Migr\u00e4ne<\/strong> und dem <strong>Spannungskopfschmerz<\/strong>, finden sich keine krankhaften bzw. therapeutisch \"heilbaren\" St\u00f6rungen. Es gibt trotzdem eine ganze Reihe unterschiedlicher Behandlungsm\u00f6glichkeiten, die fast immer eine ausreichende Kontrolle der Schmerzen erreichen lassen.<\/p>\n<p>Das Spektrum geht dabei \u00fcber eine blo\u00dfe Schmerzmitteleinnahme weit hinaus und die Erfahrung zeigt, dass h\u00e4ufig nur der Facharzt hier den \u00dcberblick \u00fcber neuere Entwicklungen behalten kann.<\/p>\n<p><strong>Schmerzmittel k\u00f6nnen selbst Kopfschmerzen verursachen<\/strong><\/p>\n<p>Wenig bekannt ist beispielsweise, dass die regelm\u00e4\u00dfige Einnahme von Schmerzmitteln h\u00e4ufig selbst Kopfschmerzen verursacht. Nach einer Weile ist dann die Unterscheidung zwischen dem urspr\u00fcnglichen und dem durch das Schmerzmittel ausgel\u00f6sten Kopfschmerz nicht mehr m\u00f6glich. Alle Schmerzmittel, v.a. aber Kombinationspr\u00e4parate, k\u00f6nnen zu dieser Problematik f\u00fchren. Wer Schmerzmittel gegen Kopfschmerz an mehr als 10 Tagen pro Monat oder immer wieder an mehr als 3 Tagen hintereinander einnimmt, ist hier bereits stark gef\u00e4hrdet. Sie\/er sollte sich unbedingt an einen Neurologen wenden, der andere Behandlungsm\u00f6glichkeiten empfehlen kann.<\/p>\n<p>Aber auch geringere Mengen von Schmerzmitteln \u00fcber Monate und Jahre hinweg regelm\u00e4\u00dfig eingenommen sind gef\u00e4hrlich. S\u00e4mtliche schmerzl\u00f6senden Substanzen k\u00f6nnen die Nierenzellen sch\u00e4digen, so dass ein Gro\u00dfteil der Patienten an der k\u00fcnstlichen Niere (Dialyse) die Funktion dieser Organe durch die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln verloren hat. Ein h\u00e4ufigeres Auftreten von Magen- \/ Darmgeschw\u00fcren und Harnwegstumoren ist au\u00dferdem eine bekannte Folge.<\/p>\n<p><strong>Migr\u00e4ne: Niemand muss heute mehr leiden !<\/strong><\/p>\n<p>Niemand muss heute mehr unter einer Migr\u00e4ne leiden. Die Vielzahl der Behandlungsm\u00f6glichkeiten ersch\u00f6pft sich dabei keinesfalls nur in der Einnahme von Schmerzmitteln. Der Neurologe wird zun\u00e4chst kl\u00e4ren, ob es sich tats\u00e4chlich um eine Migr\u00e4ne handelt. Falls ein Familienmitglied unter gleichartigen Kopfschmerzen leidet und seit Jahren immer wieder ein einseitig betonter, h\u00e4mmernder Kopfschmerz auftritt, der sich bei Anstrengung und beim B\u00fccken verst\u00e4rkt und von \u00dcbelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet wird, ist die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr das Vorliegen einer Migr\u00e4ne gro\u00df.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch weniger typische Verlaufsformen, die durch eine genaue Symptomanalyse zugeordnet werden k\u00f6nnen. Beispielsweise muss ein immer wieder auftretender Nacken-Hinterkopfschmerz nicht unbedingt von der Halswirbels\u00e4ule ausgehen, sondern kann auch eine Migr\u00e4ne sein.<\/p>\n<p><strong>Einfache Regeln der Lebensf\u00fchrung k\u00f6nnen schon zu einer deutlichen Besserung der Migr\u00e4ne f\u00fchren !<\/strong><\/p>\n<p>Nur wenige Patienten wissen, dass schon das Einhalten ganz einfacher Regeln der Lebensf\u00fchrung bereits zu einer deutlichen Besserung der Migr\u00e4ne f\u00fchren kann:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Regelm\u00e4\u00dfiger Tagesablauf.<\/strong><br \/>\nKonkret: Die Zeiten f\u00fcr das zu Bett gehen <strong>und<\/strong> auch das Aufstehen sollten an den verschiedenen Wochentagen jeweils <strong>nicht um mehr als 1 Stunde<\/strong> variieren (auch am Wochenende !). Auch auf regelm\u00e4\u00dfige Zeiten der Nahrungsaufnahme sollte geachtet werden.<\/li>\n<li><strong>Regelm\u00e4\u00dfige Entspannungspausen <span style=\"text-decoration: underline;\">w\u00e4hrend<\/span> der Arbeit.<\/strong><br \/>\nViele Migr\u00e4nepatienten zeichnen sich durch hohes Pflichtbewusstsein und einen Hang zum Perfektionismus aus. Dies f\u00fchrt einerseits zu einem \"Nicht-Nein-Sagen-K\u00f6nnen\" und andererseits zu dem Gef\u00fchl, sich Pausen zeitlich \"nicht leisten\" zu k\u00f6nnen. Zwangsl\u00e4ufig kommt es zu einer zunehmenden Anspannung im Arbeitsalltag, die sich dann oft w\u00e4hrend l\u00e4ngerer Entspannungsphasen (Wochenende, Urlaubsanfang) als Migr\u00e4neattacke entl\u00e4dt. Obwohl f\u00fcr den Arbeitgeber geradezu ideal, sollten sich die Betroffenen im eigenen Interesse Gedanken \u00fcber eine \u00c4nderung ihres Verhaltens am Arbeitsplatz machen.<br \/>\nKonkret: Immer wieder 5 Minuten Pause mit bewusster Entspannung, ggf. nach Erlernen einer Technik (z.B. progressive Relaxation nach Jacobson)<\/li>\n<li><strong>Regelm\u00e4\u00dfige k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t<\/strong><b> tr\u00e4gt nachweislich zur Reduktion von Migr\u00e4neattacken bei.<\/b><br \/>\nAllerdings reicht ein bisschen Spazierengehen nicht aus, um Ihren Pegel an verantwortlichen Stresshormonen zu senken. Sie m\u00fcssen dabei schon richtig ins Schwitzen und Schnaufen kommen.<br \/>\nKonkret: Zwei bis dreimal w\u00f6chentlich f\u00fcr mindestens 30 Minuten betriebene Ausdauersportart (Joggen, Radfahren, Schwimmen, Heimfahrrad vor dem Fernseher etc.)<\/li>\n<li><strong>Vermeiden von typischen Ausl\u00f6sern:<\/strong> z.B. Rotwein, Schokolade, bestimmte K\u00e4sesorten (den Betroffenen meist bekannt).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Migr\u00e4ne-Attacken fr\u00fch und am besten mit Schmerzmittel-Z\u00e4pfchen behandeln !<\/strong><\/p>\n<p>Vielen Patienten hilft auch schon das Wissen, dass selten auftretende (max. 1-3x im Monat) Migr\u00e4neattacke m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig mit einer bereits ausreichenden Schmerzmittel-Dosis und nicht erst bei unertr\u00e4glich gewordenem Schmerz immer wieder mit kleineren Dosen (die meist kaum helfen)\u00a0 behandelt werden sollte. Auch ist ein Umstieg von Schmerztabletten auf -z\u00e4pfchen (z.B. Paracetamol 1000mg Z\u00e4pfchen) ratsam, da eine migr\u00e4nebedingte Funktionsst\u00f6rung des oberen Magen-Darm-Trakts au\u00dfer zu \u00dcbelkeit oft auch zu einer unzuverl\u00e4ssigen Aufnahme von Tabletten in die Blutbahn f\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr h\u00e4ufiger auftretende Attacken gibt es au\u00dferdem auch Medikamente die einer Migr\u00e4ne bereits vorbeugen k\u00f6nnen. Diese m\u00fcssen zwar dann t\u00e4glich eingenommen werden, was jedoch weitaus weniger problematisch ist als eine \u00fcber Monate (und ggf. Jahre !) hinweg mehr als 3-4 mal im Monat erfolgende Schmerzmitteleinnahme.<\/p>\n<p><strong>Eigene Kopfschmerz-Sprechstunde in unserer Praxis<\/strong><\/p>\n<p>In unserer Praxis (<a href=\"http:\/\/www.kopfschmerz-sprechstunde.de\">www.kopfschmerz-sprechstunde.de<\/a>) stellt die Behandlung von Kopfschmerzen einen Schwerpunkt dar. Wir arbeiten dabei im Rahmen einer sogenannten<em> integrierten Versorgung<\/em> sowohl mit der Kopfschmerzambulanz des Klinikums Gro\u00dfhadern in M\u00fcnchen als auch mit der Kopfschmerzklinik in Kiel zusammen.<\/p>\n<p>Die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.schmerzklinik.de\/service-fuer-patienten\/vor-und-nachsorge\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schmerzklinik Kiel<\/a>\u00a0(Prof. Dr. Hartmut G\u00f6bel) geh\u00f6rt zu den bundesweit f\u00fchrenden H\u00e4usern in der Kopfschmerz-Therapie.<br \/>\nUnsere Praxis nimmt als ambulantes <strong><a href=\"http:\/\/nerven-praxis.de\/WordPress_01\/bundesweites-netzwerk-gegen-kopfschmerz\/\">Kopfschmerz-Zentrum<\/a><\/strong> an diesem integrierten Versorgungskonzept teil.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">\n<p>Sollten Sie nicht zu uns kommen k\u00f6nnen, raten wir Ihnen, einen Neurologen in Ihrer N\u00e4he aufzusuchen, der Sie bez\u00fcglich der Behandlung Ihrer Kopfschmerzen weiter beraten wird.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Richard Ippisch (aktualisiert am 22.11.2021) Kopfschmerz geh\u00f6rt zu den h\u00e4ufigsten Beschwerden der Menschheit. Bei Umfragen geben bis zu 90% aller Befragten an, im letzten Jahr mindestens einmal unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. 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