{"id":326,"date":"2014-12-23T17:25:36","date_gmt":"2014-12-23T17:25:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/?p=326"},"modified":"2017-07-07T17:46:11","modified_gmt":"2017-07-07T17:46:11","slug":"aktuelles-wissen-schlafstoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/2014\/12\/23\/aktuelles-wissen-schlafstoerung\/","title":{"rendered":"Aktuelles Wissen: Schlafst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Richard Ippisch<\/p>\n<div style=\"text-align: left;\">\n<p>\"Schlafen Sie gut ?\"<br \/>\nViele Patienten k\u00f6nnen diese Frage im \u00e4rztlichen Gespr\u00e4ch nicht ohne Einschr\u00e4nkung bejahen. Neben einer Reihe von Erkrankungen k\u00f6nnen eine Vielzahl \u00e4u\u00dferer St\u00f6rfaktoren, aber auch manche falschen Verhaltensweisen zu Schlafst\u00f6rungen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Gest\u00f6rter Schlaf macht krank<\/strong><\/p>\n<p>Schlafgest\u00f6rte sind tags\u00fcber m\u00fcde, ihre berufliche Leistungs- und Arbeitsf\u00e4higkeit ist um etwa ein Viertel vermindert, 60% leiden an Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen. Sie fehlen deutlich l\u00e4nger am Arbeitsplatz, suchen 2-3mal so h\u00e4ufig einen Arzt auf und m\u00fcssen doppelt so h\u00e4ufig station\u00e4r behandelt werden. 20-30% entwickeln nach Jahren eine Depression, die Rate der Alkoholkranken ist unter Schlafgest\u00f6rten doppelt so hoch wie bei Gesunden. Etwa ein Viertel aller Unf\u00e4lle auf Autobahnen ist durch unwillk\u00fcrliches Einschlafen bei \u00dcberm\u00fcdung bedingt.<\/p>\n<p>Diese Zahlen belegen die individuelle, aber auch die sozio\u00f6konomische Bedeutung von Schlafst\u00f6rungen. Keinesfalls handelt es sich dabei nur um eine harmlose Befindlichkeitsst\u00f6rung.<\/p>\n<p><strong>Falsche Vorstellungen zum Thema Schlaf sind h\u00e4ufig<\/strong><\/p>\n<p>Zu kaum einer K\u00f6rperfunktion existieren aber auch so viele Missverst\u00e4ndnisse und falsche Vorstellungen wie zum Thema Schlaf. Einige davon sollen hier vorgestellt und korrigiert werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em><b>\"Jeder Mensch braucht regelm\u00e4\u00dfig 7-8 Std. Schlaf pro Nacht, um ausgeschlafen zu sein.\"<\/b><\/em><\/p>\n<p>Falsch. Die Qualit\u00e4t des Nachtschlafs bemisst sich nicht nach seiner absoluten Dauer. Entscheidend ist vielmehr, ob der Einzelne sich morgens ausgeruht und wiederhergestellt f\u00fchlt und tags\u00fcber keine vermehrte M\u00fcdigkeit auftritt.<br \/>\nManche Menschen brauchen hierf\u00fcr nur 4 Stunden, andere bis zu 10 Stunden Schlaf pro Nacht. Es kann also jemand, der jede Nacht regelm\u00e4\u00dfig 8 Stunden schl\u00e4ft, aber eigentlich 10 Stunden Schlaf braucht, ernste Zeichen eines chronischen Schlafmangels entwickeln.<\/p>\n<p><em><b>\"Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste Schlaf\"<\/b><\/em><\/p>\n<p>Es gibt ausreichend Belege daf\u00fcr, dass Schlaf unabh\u00e4ngig von der Zeit gleicherma\u00dfen erholsam ist. Bei \u00e4lteren Menschen k\u00f6nnen beispielsweise 4 Stunden Nachtschlaf und zwei \"Nickerchen\" tags\u00fcber von jeweils 1 Stunde Dauer (z.B. mittags und abends vor dem Fernseher) schon den gesamten Schlafbedarf decken. Wenn diese Person - was bei \u00e4lteren Menschen nicht selten vorkommt - regelm\u00e4\u00dfig schon um 21.00 Uhr ins Bett geht, ist sie eigentlich um 1:00 Uhr morgens ausgeschlafen, wird aber glauben, an einer n\u00e4chtlichen Schlafst\u00f6rung zu leiden.<\/p>\n<p><em><b>\"K\u00f6rper und Gehirn brauchen den Schlaf, um sich von den Belastungen tags\u00fcber zu erholen.\"<\/b><\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr s\u00e4mtliche K\u00f6rperfunktionen w\u00e4re k\u00f6rperliche Ruhe ohne Schlaf v\u00f6llig ausreichend, um sich zu regenerieren. Das Gehirn ist in den Schlafphasen des sogenannten REM-Schlafs (von \"rapid eye movements\", benannt nach den hierbei auftretenden, schnellen Augenbewegungen) sogar noch aktiver als tags\u00fcber.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich nutzt das Gehirn den Schlaf statt zur Erholung eher daf\u00fcr, tags\u00fcber aufgenommene Informationen neu zu ordnen und zu verfestigen. Trotzdem ist die genaue Funktion des Schlafs nach wie vor nicht bekannt.<\/p>\n<p><em><b>\"Schweres Essen f\u00fchrt zu vermehrten Tr\u00e4umen oder Al<\/b><b>b<\/b>tr\u00e4umen\"<\/em><\/p>\n<p>Die Erinnerung an Tr\u00e4ume oder Albtr\u00e4ume h\u00e4ngt alleine davon ab, ob man w\u00e4hrend des Traums erwacht. Ver\u00e4nderte Essgewohnheiten k\u00f6nnen \u00fcber ein geh\u00e4uftes, n\u00e4chtliches Erwachen die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6hen, sich an aufgetretene Tr\u00e4ume zu erinnern. Die H\u00e4ufigkeit des Auftretens von Tr\u00e4umen und deren Qualit\u00e4t wird dagegen nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><em><b>\"K\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung verbessert den Schlaf\"<\/b><\/em><\/p>\n<p>K\u00f6rperliche Anstrengung tags\u00fcber verbessert <strong>NICHT<\/strong> den Schlaf. Extreme physische Belastung v.a. kurz vor dem Schlafengehen kann \u00fcber eine Erh\u00f6hung der K\u00f6rpertemperatur stattdessen sogar den Schlaf beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p><strong>Schlafmittel erst nach Verhaltens\u00e4nderung und neurologischer Untersuchung !<\/strong><\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen l\u00e4sst sich ein gest\u00f6rter Nachtschlaf allein durch Umstellung falscher Verhaltensweisen bessern oder sogar beheben.<br \/>\nSchlafmittel sollten dagegen erst nach mehrw\u00f6chigem strikten Einhalten der nachfolgend aufgef\u00fchrten Regeln und weiter fortbestehender Schlafst\u00f6rung zum Einsatz kommen. Die Anwendung sollte auf maximal einige Wochen begrenzt bleiben, sonst droht eine dauerhafte Abh\u00e4ngigkeit.<br \/>\nEine gr\u00fcndliche neurologische Untersuchung sollte vorher zudem eine m\u00f6gliche, krankhafte Schlafst\u00f6rung ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Was viele nicht wissen: v.a. bei \u00e4lteren Menschen k\u00f6nnen regelm\u00e4\u00dfig eingenommene Schlafmittel zu Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen und einer Beeintr\u00e4chtigung des Gleichgewichts bis hin zu geh\u00e4uften St\u00fcrzen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Einfache Regeln zur Verbesserung des Nachtschlafs<\/strong><\/p>\n<p>Die moderne Schlafforschung r\u00e4t zu folgenden Verhaltensregeln:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Tags\u00fcber nicht schlafen !<br \/>\n<\/strong>Die n\u00e4chtliche Schlafdauer wird z.B. durch den Mittagsschlaf verk\u00fcrzt.<\/li>\n<li><strong>Nicht zu fr\u00fch ins Bett gehen !<br \/>\n<\/strong>\u00c4ltere Menschen sollten in der Regel nicht vor 23:00 Uhr ins Bett gehen, wenn sie morgens zu fr\u00fch aufwachen. Meist sind im h\u00f6heren Alter 5-6 Stunden Schlaf ausreichend.<\/li>\n<li><strong>Im Sonnenlicht spazieren gehen !<br \/>\n<\/strong>Fr\u00fche M\u00fcdigkeit am Abend bek\u00e4mpft man am besten durch einen Spaziergang in der Sonne am sp\u00e4ten Nachmittag.<\/li>\n<li><strong>Erst ins Bett gehen wenn man wirklich m\u00fcde ist.<br \/>\n<\/strong>Andernfalls ist eine Einschlafst\u00f6rung geradezu vorprogrammiert.<\/li>\n<li><strong>Das Bett ist nur zum Schlafen da, d.h. nicht essen, lesen, fernsehen !<br \/>\n<\/strong>Guter Schlaf hat viel mit Rhythmus und Gleichm\u00e4\u00dfigkeit zu tun (s.u. Einschlafritual). Das Gehirn kann das Zubettgehen reflexhaft mit jetzt bevorstehendem Einschlafen verbinden oder sich daran gew\u00f6hnen, dass man sich im Bett auch aufhalten kann, ohne zu schlafen.<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li><strong>Fernsehen und Bildschirmarbeit mindestens in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen vermeiden.<\/strong><br \/>\nDie rasch wechselnden, hellen Bilder beim Fernsehen und der Blaulichtanteil von modernen PC- und Smartphone-Bildschirmen aktivieren das Gehirn und erschweren das Einschlafen.<\/li>\n<li><strong>Vor dem Schlafengehen immer das Gleiche machen (\"Einschlaf-Ritual\")<br \/>\n<\/strong>Setzen Sie sich 30-45 Minuten vor dem Zubettgehen immer in den gleichen Sessel, lesen Sie ein wenig aufregendes Buch oder eine Zeitschrift (nicht fernsehen s.o. !), trinken Sie ein warmes Glas Milch mit Honig (altes Hausmittel) oder auch ein kleines Bier (zuviel Alkohol st\u00f6rt den Schlaf !). Gehen Sie ins Bett, wenn Sie M\u00fcdigkeit versp\u00fcren, machen Sie sofort das Licht aus und versuchen Sie einzuschlafen.<\/li>\n<li><strong>Bei Einschlafschwierigkeiten nach 10 - 20 Minuten das Bett und das Schlafzimmer wieder verlassen, dann wieder weiter w.o. und...<\/strong>(Nicht herumw\u00e4lzen und ins Gr\u00fcbeln kommen !)<\/li>\n<li><strong>...erst dann wieder hinlegen, wenn man wirklich M\u00fcdigkeit versp\u00fcrt, das Ganze notfalls mehrmals wiederholen !<br \/>\n<\/strong>Man kann sich das Einschlafen so richtiggehend antrainieren. Da man au\u00dferdem wei\u00df, was zu tun ist, vermeidet man die sonst sich einstellende Verzweiflung (\"Mensch, ich muss doch morgen fit sein\"), die ihrerseits das Einschlafen verhindert.<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li><strong>Jeden Morgen m\u00f6glichst zur selben Zeit aufstehen (Wecker stellen !)<br \/>\n<\/strong>Ob man sich ausgeschlafen f\u00fchlt hat ebenfalls viel mit dem Schlafrhythmus zu tun. Geht man viel sp\u00e4ter ins Bett und steht am n\u00e4chsten Morgen auch viel sp\u00e4ter auf als sonst, wird man sich den ganzen Tag beeintr\u00e4chtigt f\u00fchlen, obwohl die Schlafdauer eigentlich ausreichend war.<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li><strong>Richten Sie eine \"Sorgenstunde\" ein !<\/strong><b><br \/>\n<\/b>Wenn Sie regelm\u00e4\u00dfig im Bett \u00fcber Sorgen und Probleme nachgr\u00fcbeln, richten Sie eine \"Sorgenstunde\" ein !<br \/>\nSie setzen sich am fr\u00fchen (!) Abend an immer denselben Platz und nehmen sich bewusst die Zeit, f\u00fcr 30 oder 60 Minuten intensiv \u00fcber Ihre Sorgen (und nichts anderes !) nachzudenken. Wenn Ihre Gedanken dann beginnen abzuschweifen, wird auch beim Einschlafen der Druck nicht mehr da sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Sollten auch diese Ma\u00dfnahme zu keinem Erfolg f\u00fchren und weiter Schlafst\u00f6rungen und v.a. tags\u00fcber M\u00fcdigkeit bestehen, sollten Sie einen Neurologen f\u00fcr eine gr\u00fcndliche Untersuchung und weitergehende Therapievorschl\u00e4ge aufsuchen !<\/b><b> <\/b><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Richard Ippisch \"Schlafen Sie gut ?\" Viele Patienten k\u00f6nnen diese Frage im \u00e4rztlichen Gespr\u00e4ch nicht ohne Einschr\u00e4nkung bejahen. Neben einer Reihe von Erkrankungen k\u00f6nnen eine Vielzahl \u00e4u\u00dferer St\u00f6rfaktoren, aber auch manche falschen Verhaltensweisen zu Schlafst\u00f6rungen f\u00fchren. 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