{"id":285,"date":"2014-11-28T15:47:23","date_gmt":"2014-11-28T15:47:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/?p=285"},"modified":"2017-07-07T17:25:27","modified_gmt":"2017-07-07T17:25:27","slug":"aktuelles-wissen-boxen-der-einzige-sport-mit-dem-ziel-der-vorsaetzlichen-koerperverletzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/2014\/11\/28\/aktuelles-wissen-boxen-der-einzige-sport-mit-dem-ziel-der-vorsaetzlichen-koerperverletzung\/","title":{"rendered":"Aktuelles Wissen: Boxen &#8211; der einzige &#8222;Sport&#8220; mit dem Ziel der vors\u00e4tzlichen K\u00f6rperverletzung"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: left;\">\n<p><em>\"Boxen ist eine Kampfsportart, bei der sich zwei Personen unter festgelegten Regeln nur mit den F\u00e4usten bek\u00e4mpfen. Ziel ist es, m\u00f6glichst viele Treffer beim Gegner zu erzielen oder diesen durch einen Knockout au\u00dfer Gefecht zu setzen.\" (Wikipedia)<\/em><br \/>\n...<b><br \/>\n\"<\/b><em>Von einem Knockout (K.\u00a0o.) spricht man, wenn ein angeschlagener K\u00e4mpfer nicht in der physischen oder psychischen Verfassung ist, den Kampf nach einer ihm zugestandenen Erholungspause (in der Regel 10\u00a0Sekunden) wieder aufzunehmen.\"<\/em><em> (Wikipedia)<\/em><\/p>\n<p>Ziel eines Boxkampfes ist es also, beim Gegner - aus medizinischer Sicht - ein stumpfes Sch\u00e4del-Hirn-Trauma herbeizuf\u00fchren, m\u00f6glichst mit der Folge einer kurzen Bewusstlosigkeit.<br \/>\nAuch andere Sportarten haben ein Verletzungsrisiko, die Besonderheit beim Boxen ist jedoch, dass es hier die erkl\u00e4rte und auch von den Zuschauern gew\u00fcnschte Absicht des Sportlers ist, den (oder auch die) Gegner(in) am Kopf zu verletzen.<\/p>\n<p><!--more-->Kampfentscheidend sind dabei oft Drehbeschleunigungen des Kopfes, die zu einer Stauchung, Zerrung von Nervenbahnen, mindestens aber zu einem vor\u00fcbergehenden Funktionsausfall von Gehirnzellen f\u00fchren.<br \/>\nDurch den Aufprall der Faust, vor allem aber bei St\u00fcrzen des im Fallen schon bewusstlosen Boxers kann es zu schweren, lokalen\u00a0 Hirnverletzungen kommen, wie man sie von anderen Sch\u00e4del-Traumata z.B. nach Verkehrsunf\u00e4llen kennt (sog. \"Coup\" und \"Contrecoup\"-Herde).<br \/>\nSeit 1890 wurden offiziell ca. 10 Todesf\u00e4lle pro Jahr registriert, die Dunkelziffer d\u00fcrfte jedoch - bei vielen inoffiziell stattfindenden K\u00e4mpfen - viel h\u00f6her liegen.<br \/>\nEine Untersuchung an japanischen Profiboxern konnte zeigen, dass 1 Tag nach einem K.O. bei fast der H\u00e4lfte der Betroffenen Kopfschmerzen, Ohrger\u00e4usche, Vergesslichkeit, H\u00f6rst\u00f6rungen, Schwindel, \u00dcbelkeit und Gangst\u00f6rungen fortbestanden.<br \/>\nViele Profiboxer entwickeln noch w\u00e4hrend ihrer aktiven Zeit messbare und dauerhafte Beeintr\u00e4chtigungen ihrer geistigen Leistungsf\u00e4higkeit.<br \/>\nBei ca. 20 Prozent der Profiboxer kommt es zu schweren Folgeerkrankungen des Gehirns: Parkinson, Sprachst\u00f6rungen, Gleichgewichtsst\u00f6rungen, Verlangsamung des Denkens, Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen bis hin zu einer Demenz (deutlich erh\u00f6htes Risiko), Depression, Reizbarkeit, Kriminalit\u00e4t, Sucht.<\/p>\n<p>Aus neurologischer Sicht ist es daher doch einigerma\u00dfen erstaunlich, dass der Staat dies alles zul\u00e4sst, immerhin ist vors\u00e4tzliche K\u00f6rperverletzung eigentlich ein Straftatbestand. M\u00f6glich wird dies jedoch durch \u00a7228 StGB, der eine K\u00f6rperverletzung straffrei stellt, wenn der Verletzte vorher eingewilligt hat.<br \/>\nDerselbe Paragraf erlaubt uns \u00c4rzten, im Rahmen der Behandlung eine K\u00f6rperverletzung (Spritze, Operation usw.) vorzunehmen, wenn der Betroffene vorher schriftlich zugestimmt hat. Allerdings wird in der Medizin verlangt, dass der Patient vorher umfassend \u00fcber die Risiken aufgekl\u00e4rt wird. Vers\u00e4umt der Arzt dies, macht er sich dennoch strafbar.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es in der Medizin darum geht, Menschen zu helfen und sie wieder gesund zu machen, kann man dies vom Boxsport kaum behaupten. Es geh\u00f6rt zu den Eigenheiten unseres Rechtssystems, dass f\u00fcr den Boxsport trotzdem keine vergleichbaren Regeln existieren. Ein Beipackzettel zu allen Boxhandschuhen ? L\u00e4cherlich ! Ein ausf\u00fchrliches Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch und ein zu unterschreibender Aufkl\u00e4rungsbogen vor jedem Boxkampf ? Fehlanzeige. Junge Sportler, die mit dem Boxsport beginnen, wissen von den m\u00f6glichen Folgen h\u00e4ufig wenig, es gibt keine gesetzlich geregelte Aufkl\u00e4rungspflicht der Vereine oder der Trainer.\u00a0 Noch nicht einmal regelm\u00e4\u00dfige, neurologische \/ neuropsychologische Kontroll-Untersuchungen der Boxer sind gesetzlich vorgesehen bzw. vorgeschrieben. Auch die Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit durch die Medien l\u00e4sst hier stark zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung hierf\u00fcr ? So banal wie schwer verst\u00e4ndlich: es gibt einfach zu viele Fans, die mit unverhohlener Lust dabei zusehen, wie einer dem anderen mit aller Wucht gegen den Kopf schl\u00e4gt. Ein von der Mehrheit gebilligtes Verhalten verst\u00f6\u00dft nicht gegen die \"guten Sitten\" und wird daher in einem demokratischen Rechtsstaat auch nicht verfolgt.<\/p>\n<p><em>\"Boxen ist hinsichtlich passiver Teilnahme eine der popul\u00e4rsten Sportarten weltweit - in Deutschland rangierte es im Jahr 2012 auf Platz 2 der beliebtesten, im Fernsehen angeschauten Sportarten.\" (Wikipedia)<\/em><\/p>\n<p><em>\"Wer eine K\u00f6rperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verst\u00f6\u00dft.\"<br \/>\n(\u00a7 228 StGB)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Links f\u00fcr Interessierte:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/79371\/Boxen-akute-Komplikationen-und-Spaetfolgen-Von-der-Gehirnerschuetterung-bis-zur-Demenz\">Boxen \u2013 akute Komplikationen und Sp\u00e4tfolgen: Von der Gehirnersch\u00fctterung bis zur Demenz (Deutsches \u00c4rzteblatt Int 2010; 107(47): 835-9)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/d-nb.info\/980342597\/34\">Die K\u00f6rperverletzung des Gegners im Kampfsport und die strafrechtliche Einwilligungsproblematik<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\"Boxen ist eine Kampfsportart, bei der sich zwei Personen unter festgelegten Regeln nur mit den F\u00e4usten bek\u00e4mpfen. Ziel ist es, m\u00f6glichst viele Treffer beim Gegner zu erzielen oder diesen durch einen Knockout au\u00dfer Gefecht zu setzen.\" (Wikipedia) ... \"Von einem Knockout (K.\u00a0o.) spricht man, wenn ein angeschlagener K\u00e4mpfer nicht in der physischen oder psychischen Verfassung <a class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/2014\/11\/28\/aktuelles-wissen-boxen-der-einzige-sport-mit-dem-ziel-der-vorsaetzlichen-koerperverletzung\/\">... weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false}}},"categories":[4],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3gB5Z-4B","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=285"}],"version-history":[{"count":29,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":572,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/285\/revisions\/572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=285"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=285"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nerven-praxis.de\/patblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=285"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}